Editorial
Wenn wir jetzt auch noch
das Wasser privatisieren,
dann ist das die letzte Etappe.
Wenn wir auch
dieses gemeinsame Gut verlieren,
hat unsere Gesellschaft
nichts mehr, was sie verbindet.
Riccardo Petrella
„Wasser ist Leben“
Ist es nicht zynisch, zumindest aber geschmacklos und in jedem Fall unpassend, kurz nach der großen Flutkatastrophe in Asien so zu titeln? Zu stark dürften uns allen Bilder im Gedächtnis haften geblieben sein, in denen sich Wasser in ungeahntem Ausmaß als „Tod bringend“ gezeigt hat. Können wir angesichts dieser Bilder und Ereignisse weiterhin einfach so behaupten, Wasser sei „Leben“?
Wir könnten uns damit rechtfertigen, dass das Thema unserer nächsten Jahrestagung (vom 15. bis 17. April in Warburg) lange vor dem Tsunami feststand - und damit auch das Blickpunkt-Thema dieses Heftes, mit dem wir Sie dazu einladen wollen. Doch das wäre (zu) billig und nicht einmal „recht“, denn den Titel hätten wir ja ändern können.
Aber: „Wasser ist Leben“ ist ja nicht einfach ein Motto oder gar Slogan, nicht einmal eine bloße Behauptung! Es ist eine Tatsache und eine tiefe Einsicht, dass ohne Wasser kein Leben möglich ist. Die bleibt auch unabhängig von aktuellen Ereignissen richtig. Erst recht wenn wir diesen Titel nicht „einfach so“ verwenden, sondern - wie im Fall unserer Jahrestagung - mit Bedacht und mit einer Zielsetzung. Denn wenn wir ihn ernst nehmen und zu Ende denken, verbindet sich damit die Erkenntnis, dass der Zugang zu (sauberem) Wasser ein unabdingbares Menschenrecht ist. Die aber führt direkt zu politischen Forderungen, die nach dem Tsunami nicht weniger wichtig und richtig sind als vorher - eher im Gegenteil.
Nicht zuletzt schwingt in dem Satz „Wasser ist Leben“ eine spirituelle Dimension mit, die zu betrachten und - möglichst auch sinnlich - zu erfahren gerade für uns Mitteleuro-päerInnen lohnend sein dürfte. Denn mit der leichten Verfügbarkeit von Wasser in unseren Breiten haben die meisten von uns zweifellos die Wertschätzung für dieses „Lebenselixier“ verloren.
Wir laden Sie herzlich ein, mit der Lektüre dieser Ausgabe von initiativ und mehr noch bei unserer Jahrestagung dieser Wertschätzung (wieder) auf die Spur zu kommen und sich künftig noch stärker für das Recht aller Menschen auf sauberes Wasser einzusetzen.
Michael Steiner
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