Editorial
Es gibt zu viele Möglichkeiten,
als dass man Pessimist sein kann.
Es gibt natürlich auch zu viele Krisen,
als dass man einfach Optimist sein kann.
Ich sage immer: Ich bin Possibilist,
ich sehe Möglichkeiten.
Jakob von Uexküll
Liebe Leserinnen und Leser!
Sind Sie - um mit Jakob von Uexküll zu sprechen, dem Stifter des Alternativen Nobelpreises und Initiator eines Weltzukunftsrates - „Possibilist/in“? Sehen Sie Möglichkeiten, mithin Chancen, das, was Ihnen wichtig, vielleicht gar „heilig“ (geworden) ist, durchzusetzen und weiterzuentwickeln? In einer Welt, die im Zuge einer rasanten „Glo-balisierung“ scheinbar alle Lebensbereiche einer gnadenlosen Kosten-Nutzen-Kalkulation unterwirft?
Dass es unerwartete Möglichkeiten sogar mitten im „Herzen“ (oder im Kopf?) der Globalisierung, auf höchster politischer Bühne gibt, zeigt die im offiziellen Sprachgebrauch „gescheiterte“ Welthandelskonferenz in Cancún im vergangenen September: Erstmals gelang es dort einem Bündnis von Entwicklungsländern, sich den Interessen der EU und der USA zu widersetzen. Dazu beigetragen hat sicherlich nicht zuletzt die Arbeit zahlreicher Nichtregie-rungs-Organisationen im Vorfeld und im Rahmen der Konferenz. Mit WEED stellen wir in dieser Ausgabe von initiativ eine von ihnen vor.
Johannes Bickel, langjähriger Unterzeichner unserer Initiative, zeigt in unserem Schwerpunktthema „Cross-Border-Leasing“ auf, was Sie und ich, was Gruppen und Bürgerinitiativen von unten tun können, wenn PolitikerInnen daran gehen, zwar nicht das „Tafelsilber“, aber doch - vielleicht schlimmer noch - die Infrastruktur unserer Städte zu „verscherbeln“. Erfolgreiche Beispiele dafür gibt es mittlerweile in vielen Kommunen Deutschlands, in denen BürgerInnen verhinderten, dass etwa ihre Wasserversorgung oder Stadtbusse einem US-Investor verkauft und von diesem zurück „geleast“ wurde.
Eine ganz andere - sicherlich zutreffender so bezeichnete - Form des „Leasings“ will der Beitrag unseres ehemaligen Vorsitzenden Reinhard Voß ins Gespräch bringen, in dem er - angeregt durch Gespräche während seines Urlaubs in Norwegen - über Möglichkeiten nachdenkt, den Wachstumszwang in Produktion und Handel zu überwinden. Wir würden uns freuen, wenn er der Beginn einer Debatte in initiativ sein könnte, in der unsere LeserInnen ihre Ideen und Erfahrungen zu diesem Thema austauschen. Auf dass auch hier Neues „möglich“ werde!
Michael Steiner
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