Im Frühling 2010 ist es genau zehn Jahre her, dass die Erd-Charta nach einem einzigartigen Konsultationsprozess der Zivilgesellschaften das Licht der Welt erblickt hat! Üblich ist es, zu einem solchen Anlass „Bilanz“ zu ziehen. Doch wird es der Erd-Charta überhaupt gerecht, aufzuzählen, welche wichtigen internationalen Organisationen die Erd-Charta unterzeichnet oder welche prominenten Persönlichkeiten sie ins Leben gerufen haben? Ist die Erd-Charta nicht vielmehr Zeugnis und Anstoß von Bewusstwerdung? Ein Text, der danach fragen lässt, was uns wirklich wichtig ist; und der den Blick darauf lenkt, wie wir uns auf den Weg zu einer gerechten Globalisierung begeben?
Für mich ist die Erd-Charta ein Dokument, das nicht dazu anregt „wie viel“ zu fragen. Sie ist ein poetischer, berührender Text, nicht dazu geeignet, zu quantifizieren und zu ökonomisieren. Sie fordert dazu heraus zu schauen, auf welche Weise wir „nachhaltige Entwicklung“ umzusetzen bereit sind, wen und was wir dabei berücksichtigen. Sie zählt und trennt nicht, will nicht kämpfen, nicht größer und stärker sein, sondern zusammenführen – in der Klarheit, dass alles bereits miteinander verwoben ist, und dass wir in Verbundenheit und umfassender Fürsorge Leben miteinander teilen können.
Für diese 25. Ausgabe der Erd-Charta-Themen haben wir anlässlich „Erd-Charta+10“ den australischen Umweltwissenschaftler Brendan Mackey interviewt. Er hat an der Entstehung der Erd-Charta mitgewirkt und ist im internationalen Rat der Erd-Charta-Initiative aktiv. Er betont, dass die Erd-Charta uns mehr nach vorne als zurück schauen lässt. So berichten wir auch wieder von wegweisenden Beispielen aus den vielfältigen Erd-Charta-Initiativen und -Projekten, die uns als Koordinierungsstelle begeistern. Ob mit dem Erd-Charta-Weg des Landkreises Amberg-Sulzbach (S.7) oder mit der Jugendarbeit des Wuppertaler ÖIEW-Unterzeichners Frank Baldus (S.8): Die Erd-Charta als Ethik für nachhaltige Entwicklung wird in Deutschland auf vielfältige Art umgesetzt und bekannt gemacht – und das soll in diesem Jahr in besonderer Weise gewürdigt, gefeiert und intensiviert werden.
Gerne heißen wir Sie auf unserer Jahrestagung vom 23. bis 25. April in Warburg willkommen, um uns mit Ihnen über den Beitrag der Erd-Charta zur Klimagerechtigkeit auszutauschen, miteinander zu feiern, zu diskutieren und neue Pläne zu schmieden - weil es ums Ganze geht!
Kerstin Veigt
Projektreferentin der Ökumenischen Initiative Eine Welt
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