Von Schwester Ingrid aus dem Europäischen Institut für Angewandten Buddhismus, einer der beiden Nonnen, die im April den interreligiösen Dialog auf unserem ÖIEW-Jahrestreffen belebten, erreicht mich eine schockierende Nachricht: 379 junge Mönche und Nonnen ihrer Gemeinschaft (in der Linie Thich Nhat Hanhs) sind in Vietnam mit brutaler Gewalt aus ihrem Kloster vertrieben worden und brauchen dringend Hilfe. Sie haben in einem nahe gelegenen Kloster Zuflucht gefunden, in dem sie jedoch weiterhin der Gefahr von Gewalt und Vertreibung durch die Polizei ausgesetzt sind.
Ich denke daran zurück, wie wir miteinander gelernt, ein interreligiöses Fest gefeiert, gebetet, meditiert, getanzt, gegessen und gesungen haben. Plötzlich ist mir die Bedeutung des interreligiösen Dialogs im Zeichen der Erd-Charta in ganz neuer Weise präsent: Wie wir einander bedürfen, uns füreinander einsetzen und uns gegenseitig stärken, zeigt sich in Situationen der Bedrohung, Verfolgung und Gewalt besonders eindringlich. Gehmeditationen, wie wir sie beim Jahrestreffen in Germete von den beiden buddhistischen Nonnen gelernt haben, fanden Mitte Oktober in Berlin, Paris, London und anderen Städten, in Israel, den USA und Kanada statt. Mit dem Gedanken „Der Gewalt begegnen. Frieden sein“ haben auf diese Weise viele Menschen verschiedener Kulturen und Religionen ihre Solidarität mit den Nonnen und Mönchen in Vietnam zum Ausdruck gebracht.
Selbst Frieden zu werden, ist für den Gründer des Europäischen Instituts für Angewandten Buddhismus, den Mönch und Zen-Meister Thich Nhat Hanh, der Weg, der in der Praxis der Achtsamkeit geübt wird. Er betont das Inter-Sein, die Verwobenheit allen Lebens. Diese Verbindung allen Lebens und die gegenseitige Abhängigkeit voneinander sind zentrale Erkenntnisse, die der Erd-Charta zu Grunde liegen.
Die spirituelle Dimension der Erd-Charta ist es, der Michael Slaby in dieser ECHT-Ausgabe nachspürt. Mich berührt der weite Raum, den die Erd-Charta für die unterschiedlichsten Glaubensrichtungen und ihren Austausch miteinander geöffnet hat. In einem solchen Raum gegenseitiger Achtung und Verantwortung kann die Vision einer globalen Partnerschaft und einer nachhaltigen, friedvollen und gerechten Welt Früchte tragen.
Wer Näheres über die Geschehnisse in Vietnam erfahren und Unterstützungsbriefe für die Nonnen und Mönche schreiben möchte, findet Infos und Briefvorschläge unter dem folgenden Link: http://helpbatnha.org
Kerstin Veigt, Projektreferentin der Ökumenischen Initiative Eine Welt
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