Editorial
Die Welt vor mir ist in Schönheit geschaffen.
Die Welt hinter mir ist in Schönheit geschaffen.
Die Welt unter mir ist in Schönheit geschaffen.
Die Welt über mir ist in Schönheit geschaffen.
(Gebet der Navajo)
Biologische Vielfalt
„COP 9“ folgt auf „MOP 4“: Die (inoffiziellen) Kürzel lesen sich wie die Ankündigung einer New Yorker Polizeikrimi-Serie im TV-Vorabendprogramm. Dahinter verbergen sich zwei hochoffizielle und im Hinblick auf die Zukunft der Erde durchaus wichtige UN-Konferenzen: Vom 19. bis 30. Mai 2008 findet in Bonn die 9. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt statt. Unmittelbar davor tagen vom 12. bis 16. Mai zum vierten Mal die Vertragsparteien des Cartagena-Protokolls über die biologische Sicherheit. (Siehe dazu Seite 5.)
Weil vermutlich die meisten Menschen mit dieser Langfassung genau so wenig anfangen können wie mit den beiden Kürzeln, spricht die Bundesregierung als Gastgeberin lieber von der „UN-Naturschutzkonferenz“. Darunter können wir uns etwas vorstellen. Doch genau diese Vereinfachung werfen KritikerInnen dem Bundesumweltministerium vor. Nicht in erster Linie weil diese Benennung zu nett und harmonisch klingt - so als träfe sich in Bonn die Naturfreundejungend zu ihrer Jahrestagung. Vielmehr unterschlägt diese vereinfachte Überschrift zwei wesentliche Ziele, die die UN-Konvention über biologische Vielfalt neben dem Naturschutz auch noch hat: zu regeln, wie die biologischen Ressourcen der Erde zu nutzen sind, und wer mit welchem Recht daraus welchen Gewinn ziehen darf. Da geht es um knallharte wirtschaftliche Interessen.
Wie die aussehen und warum auch hier in vielen Fragen „Norden gegen Süden“ steht, beleuchten wir im „Blickpunkt“ dieser Ausgabe von initiativ. Einen kleinen Vorgeschmack auf die Brisanz des Themas gibt das nebenstehende Bild, das ein Detail eines Kunstwerks von Ines Doujak wiedergibt: „Bio-piraterie - äußere und innere Eroberung“, ist in englischer Sprache auf der stilisierten Samentüte zu lesen. Und weiter: „Politische und wirtschaftliche Vorherrschaft hat sich immer zur Kontrolle über Wasser, Nahrung und Land ausgedehnt.“ Fotos von Ines Doujaks documenta-Installation „Siegesgärten“ begleiten den Blickpunkt-Artikel dieser Ausgabe (siehe S. 3).
Michael Steiner
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