Die Erd-Charta

Nachhaltigkeit hat viele Gesichter

Am 6. September fand in Berlin der 5. Jahreskongress des Rates für Nachhaltige Entwicklung statt. Das Thema lautete in diesem Jahr: „Nachhaltigkeit – die Wachstumsformel vom Mehr zum Besseren“. Grundlegend war sicher die Einsicht, dass eine intakte Umwelt eine wesentliche Voraussetzung für Wachstum ist, keine Wachstumsbremse. „Umweltzerstörung und Armut als Wachs-tumsbremsen“ war dann auch konsequent das Thema des Vortrags, mit dem Klaus Töpfer, Direktor von UNEP, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen, den Kongress eröffnete. Umwelt ziehe sich eigentlich wie ein ‚roter Faden’ quer durch alle Millennium-Entwicklungsziele. 60% der ‚Dienstleistungen der Natur’ seien aber heute schon in hohem Maße übernutzt.

Zwei Aspekte aus dem Programm dieses Kongresses haben mich besonders beeindruckt:

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hatte in diesem Jahr eingeladen zu einem Fotowettbewerb „Facing Sustainability“, an dem Fotografen aus 52 Ländern mit 450 Fotografien teilgenommen haben. Jeden Tag engagieren sich Menschen überall auf der Welt für eine nachhaltige Entwicklung. Diese Menschen und ihre Gesichter zu zeigen, war das Ziel dieses Kommunikationsprojektes. Eine Auswahl der Bilder der Preisträger war in einer Ausstellung im Rahmen des Kongresses zu sehen. „Nachhaltigkeit hat viele Gesichter“, wurde dort anschaulich.

„BRICS+G“ klingt wie eine geheimnisvolle Formel, meint aber als Abkürzung eine Runde von Experten aus Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika plus Deutschland, die sich auf Einladung des Rates für Nachhaltige Entwicklung und der GTZ einige Tage zu einem Austausch über den Stand der nationalen Nach-haltigkeitsstrategien getroffen haben. Ergebnisse dieses Austausches wurden beim Kongress unter der Überschrift „Sustainability and Growth“ eingebracht. Die Bedeutung dieser Runde kann man erahnen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass diese sechs Länder gemeinsam gut die Hälfte der Menschheit ausmachen. Auf die ersten Erfahrungen dieses offenen Austausch lässt sich aufbauen. Das legt schon die Ähnlichkeit des Kürzels „BRICS“ mit dem englischen Wort „brick“ ( = Ziegelstein) nahe.
Wer dieses Projekt weiter verfolgen möchte, kann das im Internet tun: www.bricsg.net.

Das grundlegende Märchen unserer Gesellschaft „Ewiges Wachstum für alle Zeiten“ kann so nicht weiter erzählt werden. Welches Wachstum wollen wir eigentlich? Dafür müssen wir Kriterien nennen. Wachstum und Wohlstand lassen sich nicht mit dem gleichen Index messen. „Nachhaltigkeit“ aber könnte als neue Wachstumsformel sehr produktiv sein.

Hermann Garritzmann

  • ECHT 13 als PDF-Datei (289 KB)

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