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Carl Amery (Hg.), Briefe an den Reichtum, Luchterhand Literaturverlag, München 2005

Das letzte Buch des großen Vordenkers (und Querdenkers) der ökologischen Bewegung

Im Alter von 83 Jahren ist Carl Amery am 24. Mai in München gestorben. Wenige Wochen vorher sind die von ihm herausgegebenen „Briefe an den Reichtum“ erschienen. Zu den Absendern der Briefe gehören: Andreas Eschbach, Margrit Kennedy, Hermann Scheer, Harald Schumann und Rupert Neudeck. Adressiert sind die Briefe z.B. an Silvio Berlusconi, Oliver Kahn, Heinrich von Pierer und Alberto Vilar.

Die Motivation der Briefeschreiber ist kein Sozialneid, aber Zorn. Zorn darüber, dass von einer bestimmten Vermögensgröße ab der Reichtum, der immer so jämmerlich über hohe Steuern stöhnt, längst keine mehr zahlt, sondern aus den Etats der Polis zusätzlich vermehrt wird. Zorn darüber, dass sich bei einem solchen System die Schere zwischen Armut und Reichtum immer weiter öffnet und die laufende Plünderung unseres Planeten einfach hingenommen wird. „Die sozialen wie die biosphärischen und kulturellen Verluste tauchen in den Bilanzen des Reichtums nicht auf; und sein wichtigstes Ziel in der Politik ist es, dass es dabei bleibt und dass es nicht zu ungebührlichen ertragsmindernden Auflagen kommt.“ (S. 15) Andreas Eschbach rät darum in seinem Brief an Max Mustermann, sich im Umgang mit den Banken zu wundern und Fragen zu stellen, um zu verstehen, warum im Herzen unserer Wirtschaft ein Puls schlägt, der von Schulden getrieben wird.

„Was hat es denn für einen Sinn, wenn der 57jährige Großvater fünf Jahre länger arbeitet, die 35jährige Tochter arbeitslos ist und der 17jährige Enkel überhaupt gar keine Zukunftsperspektive für Ausbildung und Arbeitsplatz hat?“, fragt Oskar Negt in seinem Brief an Heinrich von Pierer (S. 63). In Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, wächst inzwischen jedes vierte Kind unter Armutsbedingungen auf. In seinem abschließenden Brief an den Bundespräsidenten beklagt Carl Amery, dass die Politik weltweit in den veralteten Koordinaten der Ressourcenausbeutung verheddert bleibt, und er schlägt vor, eine visionäre Zu-kunftswerkstatt des Bundespräsidenten einzurichten.


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