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“Politik ist die Kunst, das Notwendige zu ermöglichen.“
Paul Valéry
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Editorial

Es gäbe genug Geld,
genug Arbeit,
genug zu essen,
wenn wir die Reichtümer der Welt
richtig verteilen würden,
statt uns zu Sklaven
starrer Wirtschaftsdoktrinen
oder -traditionen zu machen.
Albert Einstein

„reich macht arm“

Dieses Motto und Blickpunkt-Thema der vorliegenden Ausgabe von initiativ ist mehr als eine geistige Überzeugung, die z.B. an das Jesus-Wort „Die Ersten werden die Letzten sein“ angelehnt ist oder sich aus der Beobachtung speist, dass Reiche häufig (noch) unglücklicher sind als Arme. Spätestens in diesen ersten Jahren des 21. Jahrhunderts offenbart sich auch in unserer bundesdeutschen Gesellschaft, dass die Behauptung, Reichtum „mache“ arm, über ein intellektuelles Schönreden von Armut und Schlechtreden von Reichtum weit hinausgeht. Sie beschreibt vielmehr eine knallharte Realität: Um ihren Reichtum zu schützen und zu vermehren, halten oder drängen einige wenige Reiche und Überreiche viele andere in Armut.

Was bis vor kurzem noch als pure „linke“ Ideologie abgetan worden wäre (und bis heute von interessierten Kreisen natürlich immer noch abgetan wird), lässt sich schon lange mit handfesten Statistiken und Studien belegen. Selbst einer in dieser Hinsicht unverdächtigen Zeitung wie dem „Handelsblatt“ ließ sich am 24. März 2005 entnehmen, dass die 30 größten DAX-Unternehmen ihre Gewinne 2004 um 100% auf 35,7 Mrd. Euro steigern konnten, im selben Jahr aber 35.000 Stellen in Deutschland strichen. (Das „aber“ an dieser Stelle ist vermutlich verkehrt: Umgedreht und mit einem „und“ verbunden „wird ein Schuh“ aus diesem Satz.)

Zum Symbol solchen „Raubtier-Kapitalismus“ sind im letzten Jahr die zum „Victory“-Zeichen gespreizten Finger des Vorstandschefs der Deutschen Bank geworden. Mit dieser triumphalen Geste hatte Herr Ackermann den Gerichtssaal verlassen, in dem ihm bescheinigt worden war, sich ganz legal an der Übernahme von „Mannesmann“ durch „Voda-fone“ persönlich bereichert zu haben. Nur wenige Monate später verkündete er, dass seine Bank 6.400 Stellen einsparen müsse...

Zu spät und auch viel zu oberflächlich - weil aus wahltaktischen Motiven - entdeckt plötzlich auch die SPD den Kapitalismus (wieder?) als Gegner. Sie wird ihn demnächst in der Opposition bekämpfen können - und vielleicht auf diesem Weg auch eine neue Bundesregierung dazu treiben, das wirksamer zu tun, als es die bisherige sieben Jahre lang getan hat...

Michael Steiner


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